"Aus dem Glauben kommt Erneuerung"
Gemeinsames Hirtenwort der Bischöfe zum "Jahr des Glaubens": Vertiefung des Glaubenswissens ist "keine Ablenkung vom Aufruf zur Kirchenreform" - Weg der Erneuerung nur in voller Gemeinschaft mit dem Papst - Bischöfe erinnern an kirchliche Lehre über Eucharistie, Ehe und Weihepriestertum
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Das "Jahr des Glaubens" soll als Chance genützt werden, um gemeinsam aus Sackgassen herauszufinden und die Kirche aus dem Glauben zu erneuern. Das betonen die österreichischen Bischöfe in einem gemeinsamen Hirtenwort zum "Jahr des Glaubens", das am Mittwoch vom Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, in Wien vorgestellt wurde. Angesichts "mancherlei Prüfungen" gehe es "um die Bewahrung, die Bewährung, die Erneuerung, die Freude des Glaubens", sagen die Bischöfe zur Intention des Hirtenworts. Vor diesem Hintergrund geht der österreichische Episkopat auf den immer wieder geäußerten "Reformstau" in der Kirche ein und bekräftigt die kirchliche Lehre über Eucharistie, Ehe und Weihepriestertum.
Angesichts der "weitverbreiteten Unzufriedenheit mit der Situation der Kirche und der 'Kirchenleitung'" erinnern die Bischöfe an die Predigt des Papstes am Gründonnerstag, in der dieser auf den "Aufruf zum Ungehorsam" einer Priestergruppe in Österreich einging. Diese Worte hätten gezeigt, wie sehr Benedikt XVI. "um diese Sorgen und Anliegen weiß", halten die Bischöfe fest und verweisen auf ihren schon mehrfach formulierten Standpunkt, wonach ein "Aufruf zum Ungehorsam" nicht unwidersprochen hingenommen werden könne.
Geistliche Berufungen fördern
Gleichzeitig betonen die Bischöfe, dass sie die Sorgen teilen, die hinter bestimmten "Reformforderungen" stünden. Dies betreffe vor allem den mangelnden Priesternachwuchs, der an manchen Orten "immer drückender spürbar" wird. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, die österreichischen Bischöfe sollten "Druck in Rom" ausüben zwecks Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, wird im bischöflichen Schreiben an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) erinnert. Dieses habe sich "entschieden für die Beibehaltung des priesterlichen Zölibats für die römisch-katholische Kirche ausgesprochen", was auch von allen Bischofssynoden seither immer wieder "als für die Kirche gültig" bestätigt worden sei. In dieser Situation gelte es dorthin zu schauen, wo geistlichen "Berufungen blühen" und daraus zu lernen, unter welchen Bedingungen "Berufungen wachsen können".
Mit der Frage des Priesternachwuchses sei die Zukunft der christlichen Gemeinden eng verbunden, fahren die Bischöfe fort und sagen: "Der Priestermangel ist nur ein Aspekt davon, der 'Gläubigenschwund' ein anderer." Angesichts großer gesellschaftlicher Umbrüche gehe es darum, gemeinsam den "Übergang zu einer veränderten Kirchensituation" zu gestalten. Entscheidend werde es sein, "nicht nur die Verluste zu beklagen, sondern auf die Zeichen der Zeit zu achten", und dass die Kirche wieder "missionarisch werden muss". Pfarrgemeinden sind und bleiben nach Meinung der Bischöfe notwendig und zukunftsfähig. Zugleich wolle man sich "ohne Angst den großen gesellschaftlichen und kirchlichen Änderungen" stellen, die auch die "Pfarren und ihre seelsorglichen Strukturen betreffen".
Verbundenheit mit Weltkirche
Als wichtiges Element zur "Unterscheidung der Geister" angesichts großer Veränderung betonen die Bischöfe die Verbundenheit mit der Weltkirche und schreiben: "Wir wissen uns als Teil der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Wir wollen den Weg der Erneuerung und der Läuterung, auf dem wir uns befinden, bewusst in voller Gemeinschaft mit dem Papst, dem Nachfolger Petri, gehen, und in der vielgestaltigen Vernetzung mit der weltweiten Gemeinschaft der Kirche."
Im Gegensatz zu manchen geforderten Änderungen, die "nur um den Preis des Bruches der Kirchengemeinschaft möglich wären", halten die Bischöfe fest, dass es die Aufgabe des Bischofsamtes ist, "gerade die Kirchengemeinschaft zu wahren und zu fördern".
Eucharistiefeier hat klare Priorität
Zur diskutierten Zukunft der Eucharistiefeier stellen die Bischöfe fest, dass das Bewusstsein von der Wichtigkeit der Mitfeier der sonntäglichen Eucharistie "deutlich zurückgegangen" sei und die Ursachen dafür nicht klar seien. Gleichzeitig gäbe es in nicht wenigen Gegenden nach wie vor "eine Vielzahl von Messfeiern mit jeweils vergleichbar wenigen Gläubigen. Und wo keine Eucharistiefeier mehr möglich ist, werden lieber Wortgottesfeiern gehalten, als sich mit seiner Nachbargemeinde zur Eucharistiefeier zusammenzufinden."
Eine Lösung dieser konfliktträchtigen Situation könne nicht in einem bloßen Entweder-oder liegen. Vor diesem Hintergrund betonen die Bischöfe die "klare Priorität", "dass die eigentliche liturgische Feier des Sonntags, des Herrentages, die Feier der Eucharistie ist, der ein geweihter Priester vorsteht. Die Grenze zwischen Eucharistiefeier und Wortgottesfeier darf nicht verwischt werden. Hier steht die Einheit der Kirche auf dem Spiel." Es werde in Zukunft beides brauchen: "möglichst lebendige Gebetsgemeinschaften vor Ort, getragen von den Gläubigen, und die gemeinsame Eucharistiefeier, vielleicht von mehr als nur einer Gemeinde, als Herzstück des Sonntags".
Unauflöslichkeit der Ehe verteidigen
"Keine einfachen Rezepte, keine fertigen Lösungen" könne und wolle das Schreiben der Bischöfe zu den vielfältigen Situationen von Ehe und Familie, von Scheidung, Wiederverheiratung und unverheiratetem Zusammenleben bieten. Vielmehr gehe es darum, "die Situationen vor allem im Licht des Glaubens zu sehen". Dazu schreiben die Bischöfe: "In diesem Licht erscheinen Ehe und Familie zuerst als von Gott gewollte und geheiligte Wege. Ohne den Glauben ist es daher auch nicht möglich, Jesu Worte anzunehmen, die die Unauflöslichkeit der Ehe begründen: 'Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen' (Mt 19,6). Jesus selber hat den Jüngern gegenüber betont: 'Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist' (Mt 19,11)."
Oft werde "der Kirche" Unbarmherzigkeit vorgeworfen, wenn sie versucht, "die Treue zur Weisung Jesu gegen alles Unverständnis unserer Zeit zu wahren". Viel zu wenig werde aber darauf hingewiesen, "dass Jesu Worte über die Unauflöslichkeit der Ehe aus Seinem Erbarmen mit uns Menschen kommen und dass viel Leid, viele Verletzungen, auch viel Unbarmherzigkeit durch unsere Untreue Seinem Wort gegenüber entstehen, unter denen Partner, Kinder, ganze Familien oft schwer zu leiden haben", stellen die Bischöfe fest.
In den Diözesen herrsche in diesen Fragen daher das Bemühen vor, "einen Weg der Klarheit und auch der Milde, der Treue und der Barmherzigkeit zu gehen". Der in diesem Zusammenhang erhobene Vorwurf der Unehrlichkeit und Doppelmoral sei unberechtigt und zurückzuweisen, weil die Bischöfe nicht aufgeben könnten und wollten, "was der Herr selber seiner Kirche als klare Weisung gegeben hat". Die damit verbundene "Spannung zwischen Wahrheit und Barmherzigkeit werden wir immer neu auszuhalten haben", heißt es im Hirtenwort.
Auskunftsfähige Glaubenszeugen sind gefragt
Die Situation 50 Jahre nach Konzilsbeginn, der Anlass für das vom Papst ausgerufene "Jahr des Glaubens" ist, bietet nach Meinung der Bischöfe auch neue Chancen für den Glauben. Damit sich die Türen für den Glauben auftun können, seien auskunftsfähige Zeugen gefragt. Dies umso mehr, weil der "Grundwasserspiegel des religiösen Wissens stark gesunken ist". Deshalb gelte es im "Jahr des Glaubens" das persönliche Glaubenswissen zu vertiefen, halten die Bischöfe fest.
Neben der "Liebe zur Heiligen Schrift" sollte es im Gedenkjahr des Konzils ein verstärktes Interesse an den Texten des Zweiten Vaticanums geben, empfehlen die Bischöfe. Gleichzeitig verweisen sie auf den "Katechismus der katholischen Kirche" und den Jugendkatechismus "Youcat", der von der Österreichischen Bischofskonferenz herausgegeben wird und das "derzeit weltweit erfolgreichsten katholischen Buchprojekt" ist.